Seinen Ursprung hat das Heimatmuseum Obernfeld in der Sammelleidenschaft des ehemaligen Hauptlehres Franz Kurth

Kurth trat als junger Lehrer 1937 eine Stelle in der Volksschule in Obernfeld an und war hier bis über seine Pensionierung hinweg tätig. Wo immer im Dorf altes Ackergerät oder Haushaltsgegenstände entsorgt werden sollten, war er mit seinen Schülern zur Stelle und rettete die nicht mehr gebrauchten Dinge des bäuerlichen Alltags. Diese Fundstücke lagerte er in Scheunen und bei sich zu Hause ein. Als 1955 die neue Schule gebaut wurde, fanden seine Schätze in deren Kellerräumen einen Platz.

In den Jahren 1961 und 1971 feierte der Männergesangverein Concordia zwei große Jubiläen und zeigte die gesammelten Objekte auf zwei großen Umzügen erstmals der Allgemeinheit. Auf zahlreichen Festwagen, in historischen Trachten gekleidet zeigten die Teilnehmer das Leben und Arbeiten im Obernfeld um 1900.

Die Lagerbedingungen im Keller der Schule waren für die noch ungeordneten Objekte sehr ungünstig und es war unmöglich, in den niedrigen und feuchtkalten Kellerräumen eine bleibende Ausstellung einzurichten, deshalb beschloss der Gemeinderat 1983, die ehemaligen Lehrerwohnungen im gemeindeeigenen Gebäude in der Kirchgasse als Ausstellungsräume herzurichten und für die Katalogisierung, Inventarisierung und Restaurierung der gesammelten Gegenstände eine spezialisierte Fachkraft einzustellen.

Im März 1984 begann die Historikerin Sigrid Schambach im Rahmen einer ABM die Arbeit in Obernfeld; innerhalb von zwei Jahren erfolgte die wissenschaftliche Erfassung der Gegenstände und der Aufbau eines Museums nach einem professionellen Konzept.
Am 9. September 1985, dem Tag der offenen Tür, wurden den Besuchern die Ausstellungsräume im 1. Stockwerk des Gemeindehauses von Bürgermeister Alois Ehbrecht, Sigrid Schambach und Andrea Rechenberg, die als Museumsberaterin wirkte, gezeigt; die Räume im Dachgeschoss waren ein paar Monate später fertig. Die offizielle Eröffnung des Museums fand am 27. Juni 1986 zur 800-Jahrfeier von Obernfeld statt.

Aber auch diese Räumlichkeiten reichten für das Museum nicht aus: die größeren landwirtschaftlichen Objekte lagerten weiterhin im Schulkeller. Bereits ein Jahr später plante die Gemeinde einen Museumsneubau in der Kirchgasse, sowie eine Begegnungsstätte im Gemeindekrug. Anfang 1989 konnte das Grundstück Kirchgasse 3 und die sich darauf befindenden Gebäude gekauft werden. Der im Fachwerkhaus wohnenden Rentnerin wurde ein lebenslanges Wohnrecht im Erdgeschoss eingeräumt. Im August 1989 wurden das alte Stallgebäude und die Scheune abgerissen.

Am 27. September 1990 fand das Richtfest für das Museum und die Begegnungsstätte statt. Im Herbst 1991 konnte der Museumsneubau eingeweiht werden; die erste Veranstaltung in der neuen Begegnungsstätte fand am 30. April 1992 statt. Am 18. September 1992 wurde die Ausstellung im neuen Heimatmuseum Obernfeld feierlich eröffnet. In einer großen Ausstellungseinheit werden nun auch die landwirtschaftlichen Geräte präsentiert, die vorher im Schulkeller lagerten. Konzipiert und durchgeführt von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Michael Paetzold, zeigt die Ausstellung auf über 500m² Fläche alle Facetten des dörflichen Lebens um 1900. Seit 1997 befindet sich im Obergeschoss des Altbaus eine sakrale Abteilung. Im Erdgeschoss seit 2000 eine Küche mit Wurstekammer.