Begasungszelte im Ausstellungsraum

Im Jahr 2013 konnte das Heimatmuseum seine Exponate vor dem schleichenden Zerfall durch den Holzwurm Anobium Punctatum retten.

Mit finanzieller Hilfe des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, dem Engagement des Fördervereins und der Unterstützung durch den Landtagsabgeordneten Lothar Koch konnte die über drei Monate dauernde große Holzwurmbekämpfungsaktion erfolgreich durchgeführt werden.

Ein Großteil der hiesigen Museumsobjekte sind aus Holz und dieses Holz haben die Larven des Holzwurms Anobium Punctatum zum Fressen gern, wovon kleine Löcher in den hölzernen Objekten und kleine Häufchen gelben Holzmehls zeugen. Sie wurden im Sommer 2013 professionell bekämpft. Die Firma Binker hat die Ausstellungsstücke in eigens im Museum dafür aufgestellten, luftdichten Zelten 8 Wochen lang mit Stickstoff  begast und damit den Holzwurm, seine Larven und Eier abgetötet.

Wo sonst Exponate aus der Zeit vor über hundert Jahren das Bild prägen, hatten seit Mitte Juli futuristisch anmutende, silberfarbene Zelte und ein Gewirr von grauen und blauen Schläuchen ihren Platz im Heimatmuseum Obernfeld eingenommen. Untermalt wurde das Ganze vom Gebrumm eines Kompressors und eines Stickstoffgenerators.

Bereits seit drei Jahren war der Gemeinde Obernfeld als Trägerin des Heimatmuseums klar, dass dieser kleine Holzschädling, der sich von trockenem Holz ernährt und die Bestände in vielen Museen bedroht, bekämpft werden muss, um die in jahrzehntelanger Sammlungsarbeit zusammengetragenen Zeugnisse des dörflichen Lebens aus der Zeit um 1900 für zukünftige Generationen zu erhalten. Als Methode der Wahl bot sich die Stickstoffbegasung in flexiblen Zelten an, da sie zum einen den Vorteil der Ungiftigkeit hat und zum anderen das Holz nicht beeinträchtigt.

Bei dieser Methode der Schädlingsbekämpfung werden die Museumsobjekte auf eine luftdichte Folie gestellt, anschließend wird ein Zelt darüber platziert und mit der Bodenfolie verklebt. Über einen Schlauch wird über den Zeitraum von 6 bis 8 Wochen Stickstoff, der mittels eines Generators gewonnen wird, in das Zelt geblasen, um den Sauerstoffgehalt, der normalerweise bei ca. 21% liegt, auf unter 1% zu senken. In dieser Atmosphäre erstickt der Holzwurm. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bekämpfung ist allerdings eine Mindesttemperatur von 20°C, weshalb nur das Sommerhalbjahr dafür in Frage kommt.

Finanziell möglich gemacht wurde diese professionelle Schädlingsbekämpfung durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, welches im Rahmen des Investitionsprogramms für kleine Museen knapp 14.000 Euro Fördergeld bewilligte. Die damalige Ministerin Johanna Wanka konnte sich auf Einladung ihres CDU-Parteifreundes und  Landtagsabgeordneten Lothar Koch im Januar 2013 im Heimatmuseum selbst ein Bild machen und erfreulicherweise eine mündliche Zusage erteilen.

Nach dem endgültigen Förderbescheid wurde der Firma Binker Materialschutz aus Lauf in Franken der Auftrag erteilt, die Museumsobjekte in insgesamt sechs Zelten mit Stickstoff zu begasen. Anfang Juli war es soweit und die Ausstellungsstücke konnten von Gemeindearbeiter Eugen Mende und den beim Förderverein Obernfelder Heimatmuseum e.V. angestellten Bürgerarbeitern auf den von der Firma Binker gelieferten Spezialfolien platziert werden. Unterstützt wurden sie dabei tatkräftig von den Obernfelder Jugendlichen Jan Wüstefeld, David Ehbrecht, Peter Maletzki und Elias Käsehagen. Sie waren es auch, die zusammen mit dem Fördervereinsmitglied Karl-Robert Morick die auf den Dachböden gelagerten hölzernen Museumsobjekte sichteten und bargen.

Zusammengetragene Objekte

Am 16. Juli bauten die Techniker der Firma Binker die Zelte über den zusammengetragenen Museumsobjekten auf, verschweißten sie, schlossen die Zelte mittels Schläuchen an den Stickstoffgenerator an und legten Messschläuche in die Zelte. Seit dem hieß es warten und einmal wöchentlich den Sauerstoffgehalt in den Zelten zu kontrollieren. Dieser lag seit Anfang August in allen sechs Zelten unter 1% und die Temperatur bei 24°C, so dass dem Holzwurm die Luft zum Atmen fehlte.

Am 9. September war es endlich soweit, die Begasungsanlage und die Zelte konnten nach knapp acht Wochen abgebaut werden. Nach einer gründlichen Reinigungsaktion der Räume und der Museumsobjekte durch die Frauen vom Förderverein steht alles wieder an seinem Platz und das Museum kann seit dem 20. Oktober wieder besucht werden.